
Stellen wir uns vor, wir sitzen in der Dunkelheit gebannt vor der riesigen Leinwand eines IMAX-Theaters. Atemberaubende Bilder von majestätischen Walen erscheinen vor unseren Augen, von steilen Felsklippen und mysteriösen Schluchten, von Männern im ewigen Packeis, märchenhaften, millionenschweren Palästen, ungezähmter Wildnis oder den wüstenflirrenden Umrissen der ägyptischen Pyramiden.
Worte sind manchmal zu klein, um das Grandiose all der visuellen Eindrücke beschreiben zu können... und so muß die Musik zum großen Teil diese Aufgabe übernehmen. Sam Cardon ist ein Meister darin, die Wunder dieser Erde und fesselnde historische Ereignisse in Noten zu bündeln und diese durch ein großes Orchester oder passendes ethnisches Instrumentarium zum Leben zu erwecken.
Der in Utah geborene und lebende Cardon vertonte bislang 9 IMAX-Filme (einige werden weiter unten vorgestellt), betreute diverse Dokumentarfilmprojekte als Musikproduzent und ist nebenbei als recht erfolgreicher, sprich: Emmy-ausgezeichneter Jazz-New-Age-Komponist tätig. Desweiteren schrieb er 1988 ganze drei Stunden Musik für die Olympischen Winterspiele in Calgary und blieb dem Sport auch in seinem Heimat-US-Bundesstaat Utah treu, als er nämlich die Musik für die Abschlußzeremonie der Olympischen Winterspiele in Salt Lake City 2002 komponierte.
Leider gibt es im Internet nicht sehr viele Informationsquellen zu Cardon, jedoch wurde erst kürzliche seine offizielle Homepage aktualisiert und wieder online gestellt:
Dort wird auch auf eine tolle Möglichkeit hingewiesen, wie und wo man neben den Homepage-Clips in die Highlights aus dem Schaffen des Komponisten hineinhören kann, und zwar bei i-Tunes. Sämtliche der nachfolgenden Empfehlungen mit entsprechenden Audioclips (einfach die Tracks doppelklicken) sind dort zu finden und geben einen sehr guten Einblick in die Klangwelten Sam Cardons.
Hier der Link: Sam Cardon auf iTunes
Generell ist jedes seiner IMAX- oder Filmmusikalben empfehlenswert, vor allem für diejenigen, denen auch George Fentons BBC-Scores THE BLUE PLANET, DEEP BLUE und PLANET EARTH gefallen haben. Besonders hervorheben möchte ich aber gern folgende Veröffentlichungen:
WHALES
Faszinierende, überwiegend orchestrale Musik, die das Leben und die Wanderungen der Meereskolosse begleitet. Anspieltipps: "Hawaii/Dolphins", "Mother and Calf Theme", "Power Games" und "Alaska".
SHACKLETON´S ARCTIC ADVENTURE
Cardon begleitet die dramatischen Ereignisse um Ernest Shackletons Arktis-Expedition mit einer packenden Musik, die sowohl das Abenteuer, als auch das Drama, die Ängste und Hoffungen der Eismeerforscher widerspiegelt. Anspieltipps: "Opening Titles", "The Endurance Is Trapped", "Hope & Survival" und "Finale".
ZION CANYON: THE TREASURE OF THE GODS
Zion National Park, Utah, USA. Einer Indianerlegende nach ist dieses Fleckchen Erde "das Zentrum der Welt". Die Landschaft ist einmalig und atemberaubend. Cardons Musik auch. Wenn nur ein einziger Track das Geld für dieses Alben wert wäre, dann ist es "Zion by Air", ein zehnminütiger, gigantischer Gänsehauttitel, der seinesgleichen sucht. Aber auch "The Journey" oder "The Immigrant" machen Appetit auf mehr. :)
MYSTERIES OF EGYPT
Passend zum Thema schraubt Cardon hier die orchestralen Elemente etwas zurück und entführt den Hörer mittels farbenfrohem, ethnischem Kolorit in die Zeit der Sphinx und Pharaonen. Soloist an der berühmten Ney-Flöte ist übrigens Omar Faruk Tekbilek, der bereits bei Graeme Revells THE CROW mitwirkte. Anspieltipps: "The Nile - Source of Life", "Valley of the Kings", "Splendours Reclaimed by the Desert" und "Myteries of Egypt Theme".
HEARST CASTLE - BUILDING THE DREAM
Das Hearst Castle ist nach Disneyland die meistbesuchte Touristenattraktion in Kalifornien. Erbaut vom millionenschweren Zeitungsverleger William Randolph Hearst, thront es auf einem Hügel über dem brandenden Pazifischen Ozean und ist sozusagen das "Neuschwanstein der USA". Der IMAX-Film und Cardons Musik veranschaulichen auf mitreißende Weise, wie der Traum von diesem Märchenschloß Wirklichkeit wurde. Anspieltipps: "Tour of the Continent", "Miss Julia Morgan, Architect", "Starlets and Moguls", "Closing Credits".
Zum Abschluß noch eine dicke Empfehlung für Cardons jüngstes Filmmusik-Album,
THE WORK AND THE GLORY
... ein epischer Vollblut-Score, der einen von der ersten Minute an gefangen nimmt und beinahe atemlos zurückläßt.
Sam Cardon erhielt 2002 zusammen mit Michael Kamen, Kurt Bestor, David Foster, John Williams, Moby und Linda Thompson den "Best Recognition Award" bei der Verleihung der BMI Film & TV Awards, und zwar für die musikalische Gestaltung der Olympischen Winterspiele in Salt Lake City.